Grundlagen und Richtlinien
zur Ermittlung der Preisnotierungen für Mineralölprodukte

TKW ab Raffinerie und Tanklager

Aktualisiert: 10.07.2013

 

1.) Erhebung der Preisinformationen

Die Erhebung erfolgt auf der Basis täglicher Telefongespräche und Interviews mit aktiven Marktteilnehmern. Die tägliche Auswahl der angesprochenen Firmen bzw. Gesprächspartner richtet sich in Anzahl und Zusammensetzung nach der aktuellen Marktsituation. Dabei wird bewußt auf eine variable Auswahl der Informanten geachtet. Starre oder gar einseitige Informationsstrukturen werden vermieden, um ein Höchstmaß an Objektivität sicherzustellen. Darüber hinaus meldet eine Anzahl von Marktteilnehmern Preisinformationen (darunter auch Listenpreise) direkt per Fax oder Email.

 

Der Grundstock der Informanten beträgt über 100 inländische Firmen und umfaßt Raffineriegesellschaften (A+B), Handelsgesellschaften, Großhändler und Großverbraucher, wobei von den weitaus meisten Firmen Preisinformationen über mehrere Produkte und/oder Regionen eingeholt werden können.

 

Die Erhebung der Preisinformationen erfolgt in drei Runden: Die erste am Vormittag, die zweite am späten Mittag und die dritte am Nachmittag. Die indikativen Ergebnisse der ersten beiden Erhebungen werden gegen 11:30 Uhr bzw. gegen 14:30 Uhr im O.M.R. –Internet-Programm veröffentlicht, um Transparenz und Feedback zu sichern. Das Ergebnis der dritten Runde liefert neben den aktuellen Preisen des Nachmittags auch ein aussagefähiges Mengenbild des Marktes und prägt, unter Berücksichtigung der vorherigen Erhebungsrunden, die endgültige Tagesnotierungen des O.M.R. OIL MARKET REPORT.

 

2.) Auswertung der Preisinformationen

Um eine möglichst repräsentative Preisnotierung für die aktuelle Marktsituation zu ermitteln, wird die Auswertung der Informationsgespräche nach den folgenden Grundsätzen vorgenommen.

Berücksichtigt werden:

  1. ausschließlich die aktuellen Handelspreise ab Raffinerie bzw. Lager, die im Tagesgeschäft gemacht werden. Unter Tagesgeschäft werden Neuabschlüsse verstanden, die an dem reportierten Tag für kurzfristige Abholung in den nächsten Tagen gemacht werden.

2.      nur Preise, zu denen mehrfach Abschlüsse getätigt wurden oder hätten mehrfach getätigt werden können,

3.      nur Preise für Ware, die qualitativ als marktgerecht und handelsüblich gilt,

4.      nur Preise für Mengen, die unter den jeweils gegebenen Marktverhältnissen als quantitativ angemessen für Großhandelsabschlüsse gelten können (100 bis 300cbm)

Bewußt nicht berücksichtigt werden:

  1. Festmengen, Überhangsmengen, Kombinationsmengen oder exklusive Vereinbarungen insbesondere zwischen verbundenen Gesellschaften,

2.      zurückgerechnete Preise fot bzw. fob auf der Grundlage abgeschlossener frei-Haus-Preise.

3.) Festlegung der Notierungen

Bei der endgültigen Festlegung der O.M.R.-Tagesnotierungen durch die kompetenten Marktspezialisten des O.M.R. werden die ermittelten aktuellen Tagespreise der einzelnen Produkte nach den drei Erhebungsrunden so in Preisspannen zusammen gefasst, daß der Kernbereich des Marktes und seine Tendenzen aussagefähig - repräsentativ und aktuell - dargestellt werden, zwischen einem unteren Grenzwert (auch sog."low") und einem oberen Grenzwert (auch sog. "high"). Die Veröffentlichung erfolgt überlicherweise um 19:00/20:00 Uhr. Der arithmetische Mittelwert, häufig Anhaltspunkt für Preisfestlegungen im Rahmen O.M.R.-Notierungsgebundener Verträge, wird auch als "Medium", "mean" oder "mid" bezeichnet.

 

Sollten Marktbewegungen ohne Handel stattfinden, da die Preisvorstellungen der Anbieter und Nachfrager zu unterschiedlich sind, so erfolgt dennoch zur Darstellung der veränderten Marktsituation eine Anpassung der Notierungen an die aktuellen Marktgegebenheiten in der Form, daß bei einem steigenden Markt die Gebote der Käufer, und bei einem fallenden Markt die Offerten der Verkäufer Berücksichtigung finden. Diese Art der Berücksichtigung sichert die Darstellung der Marktmöglichkeiten und vermeidet die Notierung von Extremwerten.

Die Angabe der Notierung erfolgt in:

1.      EUR/100l fot ab Deutscher Raffinerie oder Lager incl. Mineralölsteuer, EBV, IWO;
Grundlage für Benzin- und Dieselpreise ist Ware mit sog. Handelsadditiven

 

2.      EUR/Mton ab Deutscher Raffinerie oder Lager excl. Steuern, excl. EBV, excl. IWO. Auf der Basis eines Spez.-Gew.:
Super: 0.755, Super E10 0.755, Diesel 0.845, Heizöl EL: 0.845, BioDiesel: 0.883;
Grundlage für Benzin- und Dieselpreise ist Ware mit sog. Handelsadditiven

 

3.      Für die Bewertung von SuperPlus E5 gilt auf den Basispreis für Superbenzin (10ppmS) ein Aufschlag von EUR 3.40

 

4.      Für die Bewertung von Super E10 gilt auf den Basispreis für Superbenzin (10ppmS) ein Abschlag von EUR 3.40

 

5.      SFR/Mton cif Basel auf der Basis einer Dichte von max. 0.860 für Leichtes Heizöl

 

4.) Gültigkeitsbereiche der Notierungen

Die für die Inlandsnotierungen gewählten Regionalbezeichnungen entsprechen den sieben großen deutschen Raffinerie- und Lagerzentren (Marktorte) sowie Basel, die gleichzeitig auch als Zentren der Preisbildung gelten:

Regionalbezeichnung

Marktort

Norden:

Hamburg

Osten:

Berlin

Seefeld:

Seefeld

Süd-Osten:

Leuna

Westen:

Duisburg, Gelsenkirchen, Essen

Rhein-Main:

Großraum Frankfurt

Süd-Westen:

Karlsruhe

Süden:

Neustadt, Vohburg, Ingolstadt

 

5.) Daten

 

a) Dichte

neu:

Basis sind die mittleren Werte für die einzelnen Produkte.

Deutschland

 

Super:

 

0,755 kg/Liter

 

 

Super E10:

 

0,755 kg/Liter

 

 

Dieselkraftstoff:

 

0,845 kg/Liter

 

 

Leichtes Heizöl:

 

0,845 kg/Liter

 

 

Bio-Diesel

 

0,883 kg/Liter

Schweiz

 

Leichtes Heizöl:

 

max. 0,860 kg/Liter

 

Alt:

Basis sind die mittleren Werte für die einzelnen Produkte.

Deutschland

 

Superbenzin:

 

0,755 kg/Liter

 

 

Normalbenzin unverbleit:

 

0,745 kg/Liter

 

 

Dieselkraftstoff:

 

0,845 kg/Liter

 

 

Leichtes Heizöl:

 

0,845 kg/Liter

Schweiz

 

Leichtes Heizöl:

 

max. 0,860 kg/Liter

 

b) Mineralölsteuer (ab 01.01.2003)

 

neu:

Benzin:

 

EUR/cbm 654,50

 

(Premium)

Dieselkraftstoff, max. 10 ppm S:

 

EUR/cbm 470,40

 

(Diesel)

Leichtes Heizöl max. 50 ppm S

 

EUR/cbm 61,35

 

(Gasoil)

Leichtes Heizöl 50-1000 ppm S (ab 01.01.2009)

 

EUR/cbm 76.35

 

(Gasoil)

Schweres Heizöl:

 

EUR/ton 25,00

 

(HFO 1 pct)

 

Alt:

Superbenzin Plus unverbleit, 98 ROZ, max. 10 ppm S:

 

EUR/cbm 654,50

 

(Premium)

Superbenzin unverbleit, 95 ROZ, max. 10 ppm S:

 

EUR/cbm 654,50

 

(Premium Unleaded)

Normalbenzin unverbleit, 91 ROZ, max. 10 ppm S:

 

EUR/cbm 654,50

 

(Regular Unleaded)

Dieselkraftstoff, max. 10 ppm S:

 

EUR/cbm 470,40

 

(Diesel)

Leichtes Heizöl max. 50 ppm S

 

EUR/cbm 61,35

 

(Gasoil)

Leichtes Heizöl 50-1000 ppm S (ab 01.01.2009)

 

EUR/cbm 76.35

 

(Gasoil)

Schweres Heizöl:

 

EUR/ton 25,00

 

(HFO 1 pct)

 

 

c) EBV-Beitragssätze

 

 

Erzeugnisgruppe I

 

Erzeugnisgruppe II

 

Erzeugnisgruppe III

 

 

(Motorenbenzin:)

 

(Diesel, leichtes Heizöl, Leuchtöl,

Flugturbinenkraftstoff auf Petroleumbasis)

 

(mittelschweres oder schweres Heizöl)

ab 01.04.2003

 

EUR/t 6,13

=

EUR/cbm 4,60

 

EUR/t 4,62

=

EUR/cbm 3,90

 

EUR/t 4,10

ab 01.04.2007

 

EUR/t 5,53

=

EUR/cbm 4,15

 

EUR/t 4,14

=

EUR/cbm 3,50

 

EUR/t 3,70

ab 01.04.2008

 

EUR/t 5,47

=

EUR/cbm 4,10

 

 

 

 

 

 

ab 01.04.2010

 

EUR/t 4,90

=

EUR/cbm 3,70

 

EUR/t 3,79

=

EUR/cbm 3,20

 

EUR/t 3,30

ab 01.04.2012

 

EUR/t 3,56

=

EUR/cbm 2,70

 

EUR/t 3,56

=

EUR/cbm 3,00

 

 

 

 

 

 

 

 

Flugturbinenkraftstoff auf Petroleumbasis

=

 

 

 

 

 

 

 

 

 

EUR/t 3,56

=

EUR/cbm 2.85

 

 

Beitragssätze seit 01.12.1978

 

d) IWO-Abgabe für HEL:

    ab 01.01.2014: EUR/cbm 0.40

    ab 01.11.2007: EUR/cbm 0.70

    ab 01.01.2002: EUR/cbm 0.50

 

 

e) Besteuerung biogener Kraftstoffe

Beschreibung: Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Biokraftstoffe in den EU-Mitgliedsstaaten sind in der Biokraftstoffförderrichtlinie 2003/30/EG

und der Energiesteuer-Richtlinie 2003/96/EG vorgegeben.

Die EU-Förderrichtlinie legt für das Jahr 2005 einen Mindestbiokraftstoff-Anteil von 2 Prozent fest, der im Jahr 2010 den Wert von 5,75 Prozent erreichen soll.

Um das in Deutschland zu erreichen, wurde zunächst die Steuerbefreiung für Biokraftstoffe ab 1. Januar 2004 durch Änderung des Mineralölsteuergesetzes eingeführt.

Im August 2006 wurde dieses Gesetz durch das Energiesteuergesetz (EnergieStG) abgelöst.

Das sieht eine stufenweise Anhebung der Steuerbelastung für Pflanzenöl und Biodiesel vor. Werden Biokraftstoffe in der Landwirtschaft eingesetzt,

sind sie von der Energiesteuer befreit. Weiterhin sind Ethanolkraftstoffe mit einem Bioethanolanteil von 70 bis über 90 % als besonders förderungswürdige Biokraftstoffe

eingestuft und steuerbegünstigt.

Das zweite wesentliche Gesetz, das den Biokraftstoffmarkt bestimmt, ist das Biokraftstoffquotengesetz (BiokraftQuG). Es ist ein Artikelgesetz, d.h. ein Gesetz,

durch das andere Fachgesetze wie das Energiesteuergesetz und Bundesimmissionsschutzgesetz geändert werden. Ab 1.

Januar 2007 sind im Gesetz Mindestquoten für die Beimischung von Biokraftstoffen zu Benzin und Diesel vorgesehen.

Am 18. Juni 2009 hat der Deutsche Bundestag dem Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung der Förderung von Biokraftstoffen vom 1. Dezember 2008 zugestimmt.

Der Gesetzesbeschluss sieht folgende Änderungen vor:

 

  • Die Energiesteuer für Biodiesel wird für 2009 rückwirkend um 3 Cent je Liter vermindert. Daraus ergeben sich folgende Steuersätze:

 

Biodiesel:

 

01.08.2006

 

01.01.2007

 

01.01.2008

 

01.01.2009

 

01.01.2010

 

01.01.2011

Steuer (ct/l):

9,00

 

8,86

 

14,88

 

18,29*

 

18,60**

 

18,60

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*Rückwirkend zum 01.01.2009 trat ein geminderter Steuersatz von 18,29 in Kraft (vorher 21,41).

**Rückwirkend zum 01.01.2010 trat ein geminderter Steuersatz von 18,60 in Kraft (vorher 24,50).

 

Pflanzenölkraftstoff:

 

01.08.2006

 

01.01.2007

 

01.01.2008

 

01.01.2009

Steuer (ct/l):

0,00

 

2,07

 

9,86

 

18,46

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6.) Beimischung von Biokraftstoffen

Ab dem 1. Januar 2007 erfolgt eine Beimischung von Biokraftstoffen zu den konventionellen Kraftstoffen auf der Grundlage des sog. Biokraftstoffquotengesetzes.

Die Höhe der zu erfüllenden Quote bezieht sich - wie nachfolgend in der Tabelle dargestellt - jeweils auf den Energiegehalt der in Verkehr gebrachten Mengen an Kraftstoff.

 

 

 

01.01.2007

 

01.01.2008

 

01.01.2009

 

01.01.2010

 

01.01.2011

 

01.01.2012

 

01.01.2013

 

01.01.2014

 

Laut Gesetz vom 15.07.2009, welches zum

21.07.2009 in Kraft trat, wurde die Gesamtquote

 rückwirkend zum 01.01.2009 von 6,25% auf

5,25% gesenkt.

Biodiesel:

 

4,40

 

4,40

 

4,40

 

4,40

 

4,40

 

4,40

 

4,40

 

4,40

 

Pflanzenöl:

 

4,40

 

4,40

 

4,40

 

4,40

 

4,40

 

4,40

 

4,40

 

4,40

 

Ethanol:

 

1,20

 

2,00

 

2,80

 

2,80

 

2,80

 

2,80

 

2,80

 

2,80

 

Gesamtquote:

 

 

 

 

 

5,25

 

6,25

 

6,25

 

6,25

 

6,25

 

6,25

 

Ab dem Jahr 2015 wird die energetische Quote durch eine zu erreichende Treibhausgasminderung ersetzt.

 

  • Der Gesetzentwurf zur Änderung der Förderung von Biokraftstoffen sieht ab 2009 Änderungen der Gesamtquote Biokraftstoffe und ab 2010 Änderungen der Unterquote Bioethanol vor.
  • Gesamtquote, Dieselquote und Benzinquote gelten nur noch bis Ende 2014.
  • Ab 2015 erfolgt die Umstellung von der energetischen Biokraftstoffquote auf eine Klimaschutzquote zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen durch Biokraftstoffe. Die Quoten gestalten sich entsprechend dem BiokraftQuG und dem Gesetzentwurf zur Änderung der Förderung von Biokraftstoffen wie folgt: 

 

Wird die Quotenpflicht nicht eingehalten, drohen Sanktionen von 60 ct/l Biodiesel bzw. 90 ct/l Bioethanol.

  • Weiter sieht der Gesetzentwurf vor, dass der Mindestanteil von Biokraftstoffen nicht nur durch die Beimischung und reinen Biokraftstoff erfüllt werden kann, sondern auch durch die Zumischung von Biomethan zu Erdgaskraftstoff.
  • Biokraftstoffe, die bereits eine direkte staatliche Förderung erhalten haben und für die keine Ausgleichs- und Antidumpingzölle erhoben wurden, werden von der Quotenerfüllung ausgeschlossen. Das betrifft Soja-Biodiesel aus den USA (B 99).

 

7.) Abkürzungen

SK

Superbenzin unverbleit

VK

Normalbenzin unverbleit

DK

Dieselkraftstoff

HEL

Heizöl Extra Leicht

HS

Heizöl Schwer

Fot

free on tank-lorry (TKW)

Fob

free on board

Cif

cost, insurance, freight

EUR

Euro

SFR

Schweizer Franken

Mton

Metrische Tonne (1000 kg)

Ppm

parts per million (Anteile pro Million)

EBV

Erdölbevoratungsverband

IWO

Institut für wirtschaftliche Ölheizung

 

8.) Hinweis

In seinem Bestreben nach einer marktgerechten und repräsentativen Berichterstattung nimmt der O.M.R. Anpassungen seiner Berichtsinhalte vor, wenn Veränderungen der Marktgegebenheiten dieses erforderlich machen. Solche Anpassungen werden rechtzeitig in den O.M.R.-Publikationen angekündigt.